Mercedes Benz Fashion Week Berlin: Review Tag 4 – Romanian Designers, MINX by Eva Lutz, Odeur, Issever Bahri, Stephan Pelger, Malaikaraiss und Noir

Romanian Designers

Den Auftakt machte Lucian Broscatean (siehe auch Interview) mit seiner Kollektion “Dream Map” – einer Kartographie der Träume. Wie diese sich überlagen und ineinander übergehen,  wird von den Stücken nachgezeichnet. Sehr architektonisch und skulptural sind besonders die Schnürungen und Drappierungen, die eine wunderbar plastische Wirkung hervorrufen. Die Schnitte sind avantgardistisch und edgy. Gerade die Mäntel sind ein absoluter Hingucker – vielleicht nicht für jedermanns Schrank, aber eine willkommene Abwechslung im sonst so alltäglichen Einerlei. Die scharfe und unheimliche Stimmung der Kollektion wird dabei nicht nur durch die Farben schwarz, weiß und grau unterstützt, sondern ebenso durch den fast spirituellen Unterton der Kollektion. Davon wollen wir mehr sehen. Lena Criseanu bildete einen starken Gegenpol zu Broscatean. Farbenfroh (aubergine, rosé, etc.) und frisch zeigte die Designerin Stücke für Frauen, angelehnt an den Tango – feminin, stark und doch zart. Florale Muster und weiche Stoffe unterstützten dieses Sujet. Im Gegensatz zu Broscatean natürlich weniger auf- und mehr gefällig. twenty(2)too schloss die (farbliche) Klammer, die Broscatean geöffnet hatte und beendete die Schau der Romanian Designers mit einer Kombination aus schwarz und weiß. Maskuline Schnitte bei den Oberteilen – eckig und kantig – setzten einen Kontrapunkt zu Röcken und Leggings (für Männer) – wobei letztere in der breiten Masse sicherlich auf wenig Gegenliebe stoßen werden. Widerkehrendes Element sind silberne Reißverschlüsse , die sich auffällig, aber sehr harmonisch in die Kollektion einfügen.

Quelle: Mercedes Benz Fashion Week

 

Minx by Eva Lutz

Die Kollektion von Minx ist sehr casual. Tut keinem weh, überrascht aber auch nicht. Negativ herausgestochen sind Mäntel und Jacken aus Teddyfell mit Leo-Print und nachtblaue, bodenlange Mäntel aus Pannesamt. Positive Aspekte waren die sehr gelungene Kombination verschiedener Rottöne und ein cremig-braunes Ledertop. Auch Trendfarben wie Beerentöne und Aubergine waren zu sehen sowie die allgegenwärtigen Lederdetails und Lederärmel an Jacketts. Beim nächsten Mal gerne etwas gewagter.

Quelle: Mercedes Benz Fashion Week

 

Odeur

Ein Highlight am letzten Fashionweek-Tag: Das schwedische Label zeigte eine aggressive, düstere und industriell-kühle Kollektion, wobei alle Teile ein harmonisches Gesamtbild abgaben und entfernt an Rick Owens erinnerten. Hauptfarbe war selbstverständlich schwarz. Asymmetrische, überlange Shirts (gerne auch in semi-transparent) stachen ebenso hervor wie eine überlange wattierte Weste mit Stehkragen und Längssteppung mit einem dreieckigen Cut-out am vorderen Saum – großartig und direkt in der Einkaufsliste vorgemerkt. Jacketts werden ihrer Revers und Krägen entledigt und weisen waagerechte Schlitze auf, wo sonst  Knöpfe und Knopflöcher sitzen oder sie haben dreieckige Cut-outs an der Knopfleiste. Diese Teile möchte man gerne auf dem Laufsteg sehen – am besten schon im Sommer bei der nächsten Fashionweek.

Quelle: Mercedes Benz Fashion Week

 

Issever Bahri

Das Designerinnen-Duo setzt auf eine ungewöhnliche, aber höchst effektvolle Kombination: Satin und Flauschwolle. Skinny-Hosen oder Tops und Blusen aus Satin in Hochglanz mit seiner weichen, glatten Qualität – in den Farben Dunkelblau, Schwarz und Nudetönen – stehen im Gegensatz zu voluminöser und flauschiger Wolle in kontrastreichen Farben wie grüngelb – als Pullover, rechteckige Einsätze bei Tops oder Mantel. Sehr gelungen.

Issever Bahri. Quelle: Mercedes Benz Fashion Week


Quelle: Mercedes Benz Fashion Week
 

Stephan Pelger

Sexy. Auch Pelger ist im Leder-Wahn. Besonders die Beinkleider zogen die Blicke des Publikums auf sich: Als Tellerrock weit schwingend und an die Mode der 50er angelehnt, als Bleistiftrock verrucht – man meint fast, das unnachahmliche Geräusch des Materials zu hören. Kombiniert werden dazu Schluppenblusen mit Trompetenärmeln in beige oder rot. Nun ja, rot und schwarz ist eine gefährliche Kombi, die auch bei Pelger nicht zu 100% funktioniert. Hervorzuheben sind die Abendroben aus Leder: an den richtigen Stellen eng und betonend – Brust, Taille, Hintern – ansonsten weit und dramatisch – top.

Quelle: Mercedes Benz Fashion Week
 

Malaikaraiss

Wie auch bei der Installation im Studio der letzten Fashionweek, zeigte Malaikaraiss auch diesmal – auf dem Runway – viel Transparenz und luftig zarte Stoffe. Wirkte die letzte Kollektion “Exit Eden” vom Wasser beeinflusst und die Models wie aus dem Paradies vertriebene Nixen, nimmt sich die neue Kollektion der Luft an – wenn man bei den Elementen bleiben möchte. Für diesen Eindruck sorgen neben den transparenten Stoffen beispielsweise Cut-outs an der Hüfte – gerne auch mit Chiffon hinterlegt. Wie der Wind allerdings auch des Öfteren scharf ins Gesicht schneiden kann, finden sich starr-plissierte, beschichtete Rückenteile und kurze Röcke in der Kollektion. Schön übrigens auch, dass sich Malaikaraiss des Saumes annimmt und diesem meist eher stiefmütterlich behandelten Detail einen neuen, geschwungenen Look gibt. Ein junges Label, das noch nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen ist, von dem man aber noch viel erwarten darf.

Quelle: Mercedes Benz Fashion Week
 

Noir

Einen gelungenen Abschluss für die Fashionweek lieferte das dänische Label “Noir”, das bewusst auf Nachhaltigkeit setzt – und das schon lange bevor dieser Trend in der Modebranche angekommen war. Wie der Name schon sagt, war Schwarz die vorherrschende Couleur. Die Grundstimmung ist kraftvoll, leicht aggressiv und edgy – ohne ins Untragbare abzurutschen. Akzentuierte Schultern durch wulstige Armausschnitte bei Mänteln und Jacketts, sowie die gekonnte Faltenlegung, die die Körperlinien nachzeichnen und formen sind besonders augenscheinlich. Tiefe V-Ausschnitte waren ebenso allgegenwärtige wie Radlerhosen zu Minikleidern und Röcken – und ja, es sah gut aus. Ebenfalls gelungen waren die Accessoires wie die Krägen aus Spitze. Mehr davon.

Quelle: Mercedes Benz Fashion Week

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