Mercedes Benz Fashion Week Berlin: Review Tag 3 – Anja Gockel, blame, Patrick Mohr, Kilian Kerner, Wang Yutao, ep_anoui und Vladimir Karaleev

Anja Gockel

Gockel macht ihrem Namen alle Ehre. Bunt und schimmernd wie das Federkleid ihres tierischen Namensvetters sind auch die Teile der Kollektion “Signs”. Changierende Stoffe in diversen Petroltönen in Kombination zu Lila-Pink gehören genauso dazu, wie die ausgefallenen Prints: Tupfer in allen Farben des Regenbogens erinnern an weit entfernte, unscharfe Lampion-Lichter; bunte Perlen reihen sich akurat wie auf einer Kette auf Röcken, Kleidern und Blusen. Die Schnitte sind recht klassisch geraten und tragbar. Auch Gockel zeigt übrigens den Trend bodenlanger Kleider aus Seide mit einer hauchdünnen Lage Chiffon darüber – für einen besonders dramatischen Auftritt.

Quelle: Mercedes Benz Fashion Week

 

blame

Die zwei Designerinnen des vor zwei Jahren gegründeten Labels zeigten eins der absoluten Acessoire-Highlights der Mercedes Benz Fashion Week: Lederkrägen mit filigranen Ausstanzungen in kräftigem Bordeaux. Dazu farblich passende Lederöcke in Mini oder bis kurz über das Knie (eine willkommene neue Länge nachd er Maxirock-Welle). Farbtupfer gemäß dem Kollektionsnamen “Neon Sparkled Nights” liefern gelbgrüne Röcke und Schals sowie leuchtende Blumenprints. Der Mantel in schokobraun mit XL-Schluppe sorgt neben der Sexiness der Lederröcke und der Strenge der dazu kombinierten Blusen für eine jugendliche Auflockerung.

Quelle: Mercedes Benz Fashion Week

 

Patrick Mohr

Was sich bereits in der letzten Saison ankündigte, hat sich nun bestätigt: Mohr hat sich vom Skandalimage emanzipiert und entwirft tragbare Mode. Langweilig ist dies noch immer nicht, nur der Aufreger fehlt – ganz gemäß dem Kollektionsmotto “Newborn Identity”. Entgegen der Ankündigung, die Sanduhrenform zu entschlacken und die Geburt der “Tonne” zu feiern, waren doch viele Taillengürtel und Egg-Shape-Stücke zu sehen. Wiederkehrendes grafisches Element waren selbstverständlich Dreiecke: auf Mantelrückseiten, Ärmeln oder All-over-Print. Besonderer Hingucker: das Dreieck als Cut Out am Bund von Mänteln. Überweite Fledermausärmel und Capes sorgen darüber hinaus für einen Batgirl-Look. Beim nächsten Mal gerne mehr von den Drappagen. Wir sind gespannt, wo die Zukunft Mohrs nach seiner Neugeburt führt.

Quelle: Mercedes Benz Fashion Week

 

Kilian Kerner

Bei den Frauen herrschen in der A/W 2012/13-Kollektion von Kilian Kerner Hosenanzüge vor, die an strenge Herrenanzüge angelehnt sind, was eine maskuline Silhouette bewirkt. Auch Kerner setzt wie viele andere Designer Akzente durch das Weglassen von Revers und Krägen. Die Strenge der Business-Looks findet auch bei den Kleidern ihren Niederschlag, allerdings durch Weite und fließende Stoffe ab der Taille abgeschwächt. Die Chenille-Pullover waren wenig innovativ und wirkten ein wenig unmodern. Die Kleidung für den Herren sitzt wie angegossen – schmal, ohne in super slim abzurutschen. Ein dickes Plus gibt es für die riesigen XL-Wollkrägen und einen grün-grauen Pullover mit geprägter Skyline-Silhouette. Überrascht hat, dass keine Beerentöne – wie sonst bei vielen Schauen gesehen – bei Kerner präsent waren. Gerade beim sonst so farbenfrohen Kerner verwunderlich.

Quelle: Mercedes Benz Fashion Week

 

Beautyberry by Wang Yutao

Wenn Elle und Mercedes Benz einen Designer supporten, gibt es immer etwas zu gucken. Und es war auch dieses Mal wieder der Fall. Wang Yutao zeigte ein Kaleidoskop an überraschenden Schnitten, Formen und Kreativität. Die Abendkleider für die Damen waren wunderbar fließend, nur wird wohl nicht jede die Farbe Kitt mögen. Seine ganze Bandbreite zeigte der Chinese bei den Herren: Er zeigte ein wunderbares Geschick in punkto Farbkombination (herrliche Abstufungen an grün und braun in Verbindung mit Gold) und Ideenreichtum. Von dezenten Ledereinsätze an Jacketts bis hin zu kompletten Lederärmeln. Bei kaum einem anderen Designer waren die kragen- und reverslosen Mäntel schöner. Pelzwesten und Pelzstolen für Männer in üppigster Form waren auffällig, aber kein bisschen dekadent oder lächerlich. Selbst die Röcke aus Anzugstoff für Männer – vorne glatt und hinten in Falten gelegt – waren nahezu tragbar. Nicht zu vergessen die wattierten Westen und Mäntel. Absolutes Highlight: Ein langes Cape mit üppigem Fellkragen.

Beautyberry by Wang Yutao. Quelle: Mercedes Benz Fashion Week


Quelle: Mercedes Benz Fashion Week

 

ep_anoui

Ich liebe Drappierungen. Aus diesem Grund hat Eva Poleschinski mit ihrer Kollektion bei mir voll ins Schwarze getroffen. ep_anoui brennt ein wahres Stofffeuerwerk ab – im quantitativen Sinne: Meterweise Material wird gewickelt, gefaltet und gefalzt, bis das Kleidungsstück entsteht. Wie direkt auf den Körper modelliert wirken die Teile – wie festgesteckt, aber doch kein bisschen provisorisch. Besondere Akzentuierung erfährt die Halspartie: Die Krägen werden kunstvoll zu Blüten transformiert. Alles hat den Anschein des Unfertigen oder noch besser des Unbeständigen – was vielleicht negativ klingen mag, aber durchaus positiv aussieht. Seht selbst:

Quelle: Mercedes Benz Fashion Week
 

Vladimir Karaleev

Karaleev ist ein Meister der Dekonstruktion. Kein Teil ist wie es scheint. Ein Mantel ist kein einfacher Mantel; eine Bluse keine einfache Bluse: Säume sind unversäubert, Ärmel fehlen und erst die Kombination vieler Lagen ergibt ein komplettes Bild. Die Silhouette der Karaleev-Frau im nächsten Winter ist gestreckt und schmal. Dafür sorgen enggeschnittene, bodenlange Kleider mit langen Ärmeln und Rollkragen. Dazu ein Oberteil, das sich aus transparenten und blickdichten Lagen zusammensetzt. Kein Outfit für die Socialite oder den morgendlichen Spurt zur Arbeit, dafür umso mehr für den Auftritt im kreativen Umfeld. Kleidung, die sich erst auf den zweiten Blick vollständig erschließt. Also am besten das Video zwei Mal ansehen.

Quelle: Mercedes Benz Fashion Week
 

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