Mercedes Benz Fashion Week Berlin: Review Tag 2 – Don’t shoot the messengers, Kaviar Gauche, Laurèl, Karlotta Wilde, Irina Schrotter, Sissi Goetze, Guido Mario Kretschmer und Hien Le

Don’t shoot the messengers

Inspiriert vom indonesischen Stamm der Mentawai kreiren der Neuseeländer Kyle Callanan und Jen Gilpin aus Kanada eine Kollektion für Großstadtamazonen: Leder, Seide sowie Federn sorgen für einen starken, fast ungezähmten Look, so wild, dass er mit Leder-Harnessen gebändigt werden muss. Selbst elegante, bodenlange Seidenkleider erhalten auf diese Weise einen roughen Touch. Neben dem vorherrschenden Schwarz gibt es smaragdgrüne Farbtupfer. Die Schnitte formen den Körper ohne einzuengen – alles ist im Fluss. Besonderes Highlight war das Abendkleid mit tiefem Rückenausschnitt in schwarz, der von grün-schwarz schimmernden Federn gesäumt war. Die Stücke für die Männer zeichneten sich durch weite und lockere Silhouetten aus, die zwischen Natürlichkeit und Aggressivität schwanken. Sehr gelungen der Mantel mit XL-Kragen, der gleichzeitig als Mütze fungiert – I like.

Quelle: Mercedes Benz Fashion Week

Kaviar Gauche

Mit einem Weihrauchbehälter betritt ein Model mit nicht viel mehr als einem Chiffontuch bedeckt den Laufsteg und ebnet die Bühne für eine wunderbare Schau, die die Göttin in jeder Frau preist. Bei Plisséeröcken und an Togen erinnernde Kleidern – kombiniert mit goldenen Accessoires – lebt der altgriechische Olymp wieder auf. Besondere Akzentuierung erfahren die Schultern durch Rüschungen aus feinstem Chiffon und die Hüfen mit dezenten Schößchen – ein wiederkehrendes Detail dieser Fashion Week. Einfach göttlich.

Kaviar Gauche. Quelle: Mercedes Benz Fashion Week


Quelle: Mercedes Benz Fashion Week

Laurèl

Chic und sophisitcated – Laurèl. Fest steht: Frau trägt Hose. Schmal geschnitten zur Verlängerung der Beine ins Unendliche. Bei all den Hosenanzügen, aber auch den inflationär verwendeten Pelzdetails – als Stola, Stulpe oder Tube (haben!) – pendelt die Kollektion zwischen Business und St. Moritz. Besonders die bodenlangen, luftigen Kleider am Ende der Schau waren ein Hingucker. Nicht zu vergessen die Felltaschen. Ansonsten gab es wenig Überraschungen, dafür viel Eleganz. Aber: Was sollten die E-Zigaretten? Entweder ganz oder gar nicht.

Quelle: Mercedes Benz Fashion Week

Karlotta Wilde

Die Natürlichkeit der Dinge. Materialien wie Seide, Filz und Wolle geben jeder Kollektion eine gewisse Natürlichkeit. Aber erst in der Kombination der Stoffe kommt diese zur Geltung. Wilde meistert dies in ihrer Kollektion auf wunderbare Weise: Seide mit unversäumten Nähten – weich fließend – in Verbindung mit schieferfarbenem Filz; Chiffonplissée zu grobem Feinstrick. Alles steht in Harmonie wie der karge Fels in der wogenden Brandung. Dabei ist alles weich und im Fluss.

Quelle: Mercedes Benz Fashion Week

Irina Schrotter

Im letzten Jahr noch Teil der “Romanian Designer”-Show, zeigt die Rumänin dieses Jahr ihre Kollektion allein auf dem Laufsteg. Auffällige Elemente waren die angedeuteten Schwalbenschwänze an den Jackets und die übergroßen, aufgesetzten Taschen. Für Frostbeulen dürften die Beinkleider von Schrotter übrigens nichts sein: Hot Pants oder noch weniger Stoff schützen schlecht bei Minusgraden. Gerne darf bei der nächsten Kollektion ein wenig mehr gewagt werden. Ein guter Anfang sind etwa der wattierte, ärmellose Blazer oder der wattierte Egg-Shape-Mantel.

Quelle: Mercedes Benz Fashion Week

Sissi Goetze

Positiv: Goetze designt ausschließlich für Männer – eine willkommene Abwechslung auf der Fashion Week. Auch die Schlichtheit auf der einen Seite und die besonderen Details wie das Fehlen von Revers, Krägen oder ganzen Blouson-Ärmeln auf der anderen Seite sind klar hervorzuheben. Dennoch weckt die Kollektion in seiner geballten Ladung im Studio der Mercedes Benz Fashion Week den Eindruck schlichter Tristesse. Die spannenden Details gehen bei den puristischen Schnitten und den gedeckten Farben leider ein wenig unter. Aber das Label ist noch sehr jung und auf einem guten Weg, den eigenen Stil zu schärfen.

Quelle: Mercedes Benz Fashion Week
Guido Maria Kretschmer

Mit seiner Kollektion “Damoi” entführt uns Kretschmer in den fernen Orient. Dies wurde bereits beim Auftaktmodell – einem an einen Kimono erinnernden Kleid – offensichtlich. Es folgten Roben mit Asia-Prints wie etwa Kirschblüten – selbstverständlich in glänzender Seide. Grundsätzlich sind die Entwürfe des Labels eher für den Geschmack von Kundinnen im etwas gesetzteren Alters. Daher waren schrille Farben oder avantgardistische Spielereien natürlich nicht zu erwarten. Dennoch ist vor allem eine Smokingjacke aufgefallen, die sich bei näherem Betrachten als Cape herausstellte. Fürs nächste Mal weniger Abendroben und mehr von diesen Aha-Effekten.

Quelle: Mercedes Benz Fashion Week
Hien Le

Hien Le bringt uns Farbe in den Winter. Und ich meine damit: Apricot, Mint und helles Blau. Dazu raffinierte Details wie Mäntel ohne Kragen. Männer müssen im nächsten Winter Mut beweisen: apricotfarbene Hemden sind nicht jedermanns Sache, aber definitiv eine Überlegung wert. Besondere Spannung wird dadurch aufgebaut, dass Le gegen diese eher frühlingshafte Farbe einen Mantel in winterlichem Cognac setzt. Wer wagt gewinnt – stimmt.

Quelle: Mercedes Benz Fashion Week

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